Adelheid Sahli-Linder
Adelheid Sahli-Linder hält seit 44 Jahren Seniorinnen und Senioren in Schwung. Auch mit fast 90 muss bei ihr täglich etwas laufen. Wenn sie nicht gerade turnt oder singt, füllt die leidenschaftliche Handarbeiterin zig Bananenkisten mit selbstgestrickter Ware oder backt ihre feine «Bärner Zöpfe». Adelheid Sahli-Linder wurde von Pro Senectute Kanton Bern für den Prix Merci 2026 nominiert.
«Ich begegne den Turnenden mit Liebe und Achtung und halte sie mit Spass und Freude in Bewegung.»
Steckbrief Adelheid Sahli-Linder
Alter: 89 Jahre
Kanton: Bern
Beruf: Handarbeitslehrerin (pensioniert)
Mein Einsatzbereich als Freiwillige bei Pro Senectute: Leiterin FitGym (Seniorenturnen)
Meine Hobbys/Interessen: Ich turne viel und wandere gerne. Heute gehe ich es ruhiger an, früher bestieg ich 4000er auf Alpintouren. Ich lese als Lektorin in der Kirche, singe in einem Seniorenchor und backe gerne – meine Spezialität sind Spitzbuben.
Dafür bin ich in meinem Umfeld bekannt: In der Gemeinde bin ich sehr verwurzelt und jeder kennt mich. Ich glaube, die Menschen im Dorf mögen mich sehr gerne.
Dafür nehme ich mir gerne nur für mich Zeit: Für die Handarbeit – aber das ist auch etwas, das ich für andere mache. Ich fülle ganze Bananenkisten mit selbstgestrickten Decken. Ich betreibe im Dorf regelrecht einen Handel. Ich sammle im Umfeld Strickwaren und spende sie für wohltätige Zwecke. Es tut mir gut, Gutes zu tun.
Darauf bin ich stolz: Ich würde nicht von Stolz sprechen, sondern von Dankbarkeit. Ich bin dankbar für alles, was ich erleben durfte – besonders für meine zwei Söhne und vier Enkelkinder sowie für die 66 schönen Jahre, die ich mit meinem Mann verbringen durfte. Ich war 50 Jahre als Freiwillige im Inselspital Bern tätig und habe gesehen, dass das Leben auch einen andere Lauf nehmen kann. Ich bin froh, dass ich noch immer gesund bin und aktiv sein kann. Das ist nicht selbstverständlich.
Das bringt mich zum Lachen: Meine vier Enkelsöhne – vor allem, als sie noch klein waren. Wir haben sie oft gehütet, das war ein fröhlicher Lebensabschnitt. Heute bin ich häufiger mit Abschiednehmen und mit Trauer konfrontiert. So ist das im Alter – man liest mehr Todesanzeigen, als man Witze hört.
Darüber freue ich mich wie ein Kind: Ich habe einen grossen Garten, in dem es üppig wächst. Im Frühling erfreue ich mich besonders an den blühenden Primeln. Es stellt mich auf, wenn ich am Morgen in den lebendigen Garten blicke.
Das macht mir Sorgen: Ich habe einen grossen Garten, in dem es üppig wächst. Im Frühling erfreue ich mich besonders an den blühenden Primeln. Es stellt mich auf, wenn ich am Morgen in den lebendigen Garten blicke.
Das gefällt mir am Alter: Man empfindet man, wie ich finde, eine aufrichtige, selbstlose Freude für andere. Alles, was ich heute mache, mache ich freiwillig und ganz ohne Druck. Aber das Alter hat auch seinen Preis: Man hat so seine «Bräscheli», die einen begleiten. Umso wichtiger ist es, jeden Tag etwas vor sich zu haben und unter Leute zu gehen. In den Tag hineinzuleben wäre nichts für mich.
Dafür wäre ich gerne nochmals jünger: Im Nachhinein würde ich mit meinem Mann grössere Reisen unternehmen. Aber im Grossen und Ganzen bin ich zufrieden. Ich habe mein Leben gelebt. Was würde es mir nützen, wenn ich unzufrieden wäre? Darum bin ich lieber zufrieden.
Adelheid, lieber dies oder das?
| Frühaufsteherin | Langschläferin |
| lieber unterwegs | lieber zu Hause |
| Landluft | Stadttrubel |
| Hund | Katze |
| planen | spontan sein |
| zuhören | Diskussionen anreissen |
| auf Bewährtes vertrauen | Neues ausprobieren |
| Postkarte | WhatsApp-Nachricht |
Mein freiwilliges Engagement bei Pro Senectute
Darum engagiere ich mich bei Pro Senectute: Pro Senectute ist eine sehr gute Organisation. Ich bin seit 44 Jahren bei der Organisation in Bern tätig. Ursprünglich war ich Betreuerin in den Altersferien. Pro Senectute erkannte jedoch mein Potenzial und förderte mich gezielt weiter. Nach einem schweren Unfall glaubte ich, mein Engagement aufgeben zu müssen. Aber eine liebe Mitarbeiterin ermutigte mich, dranzubleiben und selbst Sportleitende auszubilden. Selbst in dieser schwierigen Situation hat Pro Senectute weiter an mich geglaubt und Vertrauen in mich gesetzt.
Das motiviert mich in meinem freiwilligen Engagement: Ich halte die Menschen gerne in Bewegung. Im Seniorenturnen geht es uns darum, dranzubleiben. Es ist mir sehr wichtig, dass die Seniorinnen und Senioren Kontakte pflegen und sozial verbunden sind. Wir wollen aktiv sein und erhalten, was wir können. Wenn wir uns noch etwas steigern können, dann umso besser.
Mein schönstes Erlebnis als Freiwillige: Ich habe in 44 Jahren viel Schönes erlebt. Ich freue mich sehr über die Ehrung, für den Prix Merci nominiert zu sein und im Dezember an der Preisverleihung dabei sein zu dürfen.
Das gibt mir freiwilliges Engagement persönlich: Der soziale Kontakt tut mir sehr gut und ich lerne viel von den Menschen, mit denen ich turne. Sie haben den Willen, auch mit Einschränkungen aktiv zu bleiben und zu erhalten, was geht – selbst wenn keine Purzelbäume mehr möglich sind. Aber ich stosse an meine Grenzen, deshalb mache ich noch bis 90 weiter. Danach bin ich vielleicht noch als Teilnehmerin im FitGym – oder ich widme mich dann ganz dem Liederschreiben.