Franziska Raschle

Franziska Raschle hat sich mit 75 gewissermassen einen früheren Berufswunsch erfüllt. Als Seniorin im Klassenzimmer hilft sie Fünftklässlern bei der richtigen Fallbildung und bei kniffligen Bruchrechnungen. Abseits des Schultrubels geht sie mit älteren Menschen auf Reisen und widmet sich ihren Lebensgeschichten. Franziska Raschle wurde von Pro Senectute Appenzell Innerrhoden für den Prix Merci 2026 nominiert.

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«Die Arbeit mit jüngeren wie älteren Menschen ist für mich ein wertvoller Ausgleich.»

Steckbrief Franziska Raschle

Alter: 75 Jahre

Kanton: Appenzell Innerrhoden

Beruf: Dentalassistentin, Pflegehelferin im Altersheim (pensioniert)

Mein Einsatzbereich als Freiwillige bei Pro Senectute: Generationen im Klassenzimmer, Seniorenstobete, Leitung Seniorenferien; zuvor Erzählcafé, Entlastungsdienst und viele weitere Aktivitäten

Meine Hobbys/Interessen: Singen mit Gesangsunterricht, klassische Musik, Wandern mit der Familie oder mit Seniorinnen und Senioren, Leitung von Ferien 60 plus, Tätigkeit als Lektorin in der Kirchgemeinde sowie Biografiearbeit mit älteren Menschen.

Dafür bin ich in meinem Umfeld bekannt: Mich kennt man wohl für mein Interesse an Lebensgeschichten. Ich leitete 12 Jahre das Erzählcafé in Appenzell. Die Biografien älterer Menschen faszinieren mich – ihre Erfahrungen und Schicksale sind eng mit der Geschichte und den Traditionen im Appenzell verbunden.

Dafür nehme ich mir gerne Zeit für mich: Für das Singen – wenn es geht, übe ich jeden Tag eine Stunde. Beim Lesen, vor allem von Biografien, oder bei der Gartenarbeit kann ich auch gut abschalten.

Darauf bin ich stolz: Auf meine vier Kinder und auf meine fünf Grosskinder, die ich gerne betreue. Nebst der Familie habe ich beruflich und ehrenamtlich immer viel gemacht. Es ist immer wieder etwas Neues im Leben auf mich zugekommen, dem ich mich mit Freude angenommen habe.

Das bringt mich zum Lachen: Die Kinder! Sowohl meine Grosskinder als auch die Schüler bringen mich zum Lachen. Sie haben immer gute Sprüche auf Lager.

Darüber freue ich mich wie ein Kind: Ich erfreue mich an kleinen, persönlichen Gesten der Wertschätzung: Wenn ich beispielsweise nach den Seniorenferien ein nettes Telefon oder einen Brief erhalte und sehe, wie es den Menschen gefallen hat. Ich freue mich auch immer über die Kunstwerke meiner Grosskinder.

Das macht mir Sorgen: Ich erlebe oft mit, wie einschneidend Todesfälle bei älteren Paaren sind. Wenn der hinterbliebene Ehepartner allein nicht mehr gut zurechtkommt und einsam ist. Viele sondern sich ab und ziehen sich zurück. Das belastet mich.

Das gefällt mir am am Älterwerden: Das Älterwerden bereitet mir keine Probleme. Ich bin positiv eingestellt. Heute muss ich nicht mehr – ich darf freiwillig machen, was mir gefällt.

Dafür wäre ich gerne nochmals jünger: Vor kurzem erst habe ich zu meinem Mann gesagt: «Ich möchte nicht nochmals jünger sein.» Mir gefällt’s, so wie es jetzt ist. Wir haben mehr Zeit zum Reisen. Letztes Jahr machten wir eine Halbumrundung der Antarktis – von Südamerika nach Neuseeland.

Franziska, lieber dies oder das?

Frühaufsteherin Langschläferin
lieber unterwegs lieber zu Hause (...beides)
Landluft Stadttrubel
Hund Katze
planen spontan sein
zuhören Diskussionen anreissen
auf Bewährtes vertrauen Neues ausprobieren
Postkarte WhatsApp-Nachricht

 

Mein freiwilliges Engagement bei Pro Senectute

Darum engagiere ich mich bei Pro Senectute: Mein Engagement für ältere Menschen war schon immer vielseitig und im Wandel – genau das gefällt mir. Meine erste Tätigkeit bei Pro Senectute war das Kino ab 60, das ich mitorganisierte. Da ich mich sehr für die Biografien älterer Menschen interessiere, initiierte ich später das Erzählcafé und führte es während vieler Jahre durch. Als ich den Aufruf für Seniorinnen und Senioren im Klassenzimmer sah, war ich sofort begeistert. Pro Senectute hat es sehr gefreut, als ich mich dafür gemeldet habe.

Das motiviert mich in meinem freiwilligen Engagement: Ich engagiere mich mit Herzblut. Die Arbeit mit jüngeren wie älteren Menschen ist für mich ein wertvoller Ausgleich und sehr bereichernd. Früher wollte ich Lehrerin werden – ein Berufswunsch, den ich mir heute als Seniorin im Klassenzimmer gewissermassen erfüllen kann. Mir gefällt das lebendige Treiben, ganz wie früher mit meinen eigenen Kindern. Die Kinder sind sehr aufgeschlossen. Wenn ich mal nicht in der Schule bin, dann rufen sie mir auf der Strasse zu: «Warum bist du letzten Donnerstag nicht in die Schule gekommen?» (lacht).

Mein schönstes Erlebnis als Freiwillige: Im Erzählcafé haben wir uns über die Jahre mit vielen spannenden Themen auseinandergesetzt. Es war eindrücklich zu sehen, wie die Teilnehmende mit ganz unterschiedlichen Biografien beim Erzählen aufblühten. Dabei kamen auch viele Emotionen hoch. Es ging mir unter die Haut, wie sie sich – gerade bei schweren Themen – gegenseitig stärkten. Das hat mir viel gegeben.

Das gibt mir freiwilliges Engagement persönlich: Im Klassenzimmer lerne ich selbst immer wieder Neues – Dinge, die ich früher in der Schule nicht gelernt habe (lacht). Es ist schön zu spüren, wie sehr es junge Menschen freut, wenn sich auch eine ältere Person mit ihnen beschäftigt. Wer anderen Zeit schenkt, bekommt viel zurück. Der schönste Lohn ist die Wertschätzung.

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